Review: Splatoon 2 (Nintendo Switch)

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Es passiert selten, dass Nintendo eine neue IP von ihrer Seite aus vorstellt und noch seltener, dass diese weltweit extrem positiv aufgefasst wird. Eine dieser Marken, welche dieses hochgesteckte Ziel erreichen konnten, war Splatoon auf der Wii U. Das einzigartige Gameplay und der Charme der Inklinge eroberten die Welt trotz des zu Release geringen Spielumfanges im Sturm, was das Spiel zu einem der stärksten Kaufgründe für die sonst stark schwächelnde Konsole machte. Dass Nintendo auf diesen Erfolg aufbauen möchte und früher oder später einen Nachfolger entwickelt, scheint dabei wohl selbstverständlich. So erschien Mitte Juli 2017 eben dieser Nachfolger mit dem Titel Splatoon 2 für Nintendos aktuelle Heimkonsole, der Nintendo Switch.

Was ist Splatoon?

Dieser Abschnitt dient dem allgemeinen Verständnis des Spielprinzips. Wer mit dem Grundprinzip von Splatoon bereits vertraut ist, kann direkt beim nächsten Abschnitt weiterlesen. 

Bei Splatoon handelt es sich um Nintendos Ansatz für einen Third Person Shooter. Wie allerdings von Nintendo zu erwarten, wird das typische Spielprinzip hierbei durch mehrere Gameplaymechaniken auf den Kopf gestellt. Am auffälligsten ist dabei wohl, dass man anstatt mit Kugeln mit farbiger Tinte schießt, welche das Spielfeld Stück für Stück in der Teamfarbe einfärbt. Dieses Einfärben der Umgebung ist nicht nur das Ziel des Hauptspielmodus, bei welchem das Team gewinnt, welches innerhalb von drei Minuten das meiste Terrain in der eigenen Farbe einfärbt, sondern bietet auch generell einen taktischen Vorteil. So kann sich jeder Spieler von seiner humanoiden Form in die eines Tintenfisches verwandeln. Dies ermöglicht einem in der eigenen Tinte zu schwimmen, was nicht nur das Erklimmen von Wänden möglich macht, sondern generell auch schneller und effizienter als das reguläre Laufen ist. 

Das Gameplay

Splatoon 2 bleibt dem klassischen Splatoon Gameplay treu und versucht dabei wenig Neues. Zwar wurden die Modi des Rangkampfes allesamt leicht modifiziert so dass beispielweise der Turm in Turm-Kommando an gewissen Stellen kurzzeitig anhält, doch das Grundgefühl dieser bleibt noch immer gleich. Der Standardkampf weist sogar gar keine erkennbaren Unterschiede auf.

Anders ist dies bei den Waffen. Mit den Klecks-Dopplern und den Schirmen wurden zwei neue und durchaus interessante Waffenarten hinzugefügt. So erlauben die Doppler es dem Spieler eine stylische Rolle auszuführen, um so nicht nur den Schüssen des Gegners auszuweichen, sondern auch die Schusskraft auf diesen zu bündeln. Ein Schirm dagegen erlaubt es einem die Schüsse des Gegners gleich komplett abzublocken und das eigene Team zu schützen.

Auch die Spezialwaffen wurden komplett überarbeitet. Nicht eine der aus den ersten Teil bekannten Spezialwaffen lässt sich vorfinden, wobei man anmerken sollte, dass sich einige Waffen wie eine generalüberholte Version derer aus dem ersten Spiel anfühlen. Andere dagegen sind komplett neu und bieten interessante neue Blickwinkel auf das Spiel. Ob man nun mit einem Jetpack über die Köpfe der Gegner hinwegfliegt oder sich mit dem Hamsterball ins Getümmel stürzt, die neuen Spezialwaffen auszutesten macht einfach Spaß.

Neben dem Online Multiplayer fand aber selbstverständlich auch der Singleplayer, in deutlich aufpolierter Form, seinen Weg in das Spiel. Wie auch zuvor ist die Story dabei sehr simpel gehalten: Aioli ist verschwunden und der Spieler muss gegen die Oktorianer kämpfen um herauszufinden was mit ihr geschehen ist. Dabei nimmt der Singleplayer wieder die Rolle eines erweiterten Tutorials ein und bringt einem langsam aber sicher die für den Onlinemodus benötigten Techniken bei. Dieses Mal beschränkt sich dies aber nicht nur auf die Waffengruppe des Klecksers, sondern stellt einem alle Waffentypen des Spiels bereit. Dieses Training geschieht dabei aber so unterschwellig, dass man noch immer einen spaßigen Spielmodus hat und alle Techniken dabei spielerisch lernen kann.

Dazu gibt es noch viele kleinere Verbesserungen, die den Spielfluss deutlich angenehmer werden lassen. So muss man sich beim Mapwechsel nicht mehr die kompletten Nachrichten ansehen (auch wenn man trotzdem aus dem Spiel geworfen wird) und kann im Waffenladen die viel zu langen Monologe vorspulen. Auch wenn diese Veränderungen minimal sind, verbessern sie das Nutzererlebnis ungemein. Ebenso implementierte das Entwicklerteam eine spielinterne Alternative für das auf der Nintendo Switch spielende Miiverse, so dass man noch immer die Zeichnungen der Nutzer als Graffiti an der Wand begutachten darf. 

Salmon Run

Auch wenn die Änderungen der altbekannten Modi eher unspektakulär scheinen, trumpft Splatoon 2 mit der Einführung des neuen Modus Salmon Run. Dabei handelt es sich um einen Hordenmodus, in welchem man über drei Wellen mithilfe von drei weiteren Mitspielern versucht möglichst viele Bossgegner zu besiegen und deren wertvolle Goldeier einzusacken. Die Schwierigkeit dieser Wellen passt sich dabei nach und nach an die eigene Leistung des Spielers an. Dieser Modus bringt eine willkommene Abwechslung in das sonst so kompetitive Spielprinzip von Splatoon und stellt das Hauptspiel fast schon in den Schatten.

Leider aber hat auch dieser Modus seine eigenen Probleme. Im Gegensatz zum Hauptspiel ist es nämlich nicht möglich Salmon Run nach Belieben zu spielen. Stattdessen muss man sich an von Nintendo vorgegebene Zeitslots halten, was sehr ärgerlich sein kann, wenn man sich einfach mal für eine Stunde hinsetzen und Salmon Run spielen möchte. Ebenso werden die nutzbaren Waffen für jeden Zeitslot ebenfalls vom Spiel festgelegt und im Team zufällig verteilt. Dies macht einen zwar vertrauter mit Waffen, die man sonst nicht anrühren würde, kann aber auch sehr frustrierend sein wenn man in der entscheidenden Welle aufgrund der einem zugeteilten Waffe verliert. Ebenso wäre es wünschenswert gewesen, wenn man noch einen Endlosmodus gehabt hätte, in welchem man schaut wie viele Wellen man als Team packt.

Der Spielumfang

 Wie auch im ersten Teil von Splatoon, hält sich der Umfang zu Release stark in Grenzen und wird mit Updates Stück für Stück erweitert. Zu dem Zeitpunkt zu dem diese Review verfasst wird, wurden bereits je eine Karte für den Standardkampf und Salmon Run, sowie mehrere neue Waffen veröffentlicht. Persönlich hoffe ich, dass sich dies ebenfalls auf neue Modi ausweitet; ob dies allerdings passiert, bleibt abzuwarten.

Bereits von Anfang an bietet einem Splatoon 2 allerdings deutlich mehr Möglichkeiten seinen Inkling zu personalisieren, als es noch der Vorgänger tat. Pro Geschlecht gibt es vier verschiedene Haarstile und drei verschiedene Hosen mit denen man ihn neben den bekannten Kopfbedeckungen, Shirts und Schuhen ausstatten kann. Dabei hat sich die Funktion der Ausrüstung mit Ausnahme von dem Balancing einiger Effekte nicht geändert. Jedes Kleidungsstück hat einen Haupteffekt und bis zu drei Nebeneffekte, welche dem Spieler verschiedene Vorteile im Kampf bieten können.

Neben diesen Möglichkeiten seinen Inkling hübscher zu gestalten, sieht das Spiel allgemein großartig auf Nintendos neuester Konsole aus. Die Farben wirken allesamt viel lebendiger als zuvor und die dynamische Auflösung von bis zu 1080p lässt einen das Spiel in seiner vollen Pracht genießen.

Auch die Splatfeste kehren in Splatoon 2 zurück und bieten einem Schlachten in der Nacht, in welchen endgültig entschieden werden soll welche von zwei gegebenen Optionen nun die richtige ist. Wie auch im ersten Teil spannen sich diese Fragen über alle Bereiche des Alltags. Beispielsweise waren vergangene Themen Ketchup vs. Mayo zum Essen oder Fliegen vs. Unsichtbar sein als Superkraft. Nun sind dabei allerdings nicht die Maps für 24 Stunden feststehend, sondern rotieren noch immer weiter. Dies bringt deutlich mehr Abwechslung in die Splatfeste und lässt sie somit auch nicht allzu schnell langweilig werden. 

Fazit

Splatoon 2 ist ein Nachfolger, der großen Risiken möglichst aus dem Weg zu gehen scheint, dafür allerdings das süchtig machende Gameplay beibehält. Die vorhandenen Neuerungen machen allesamt großen Spaß und lassen einen zumindest vorerst über den leider relativ geringen Umfang hinwegsehen. Diese sind allerdings nicht zahlreich genug, dass jeder Spieler des ersten Teiles zufriedengestellt sein mag. Als Käufer muss man sich auf ein sehr unterhaltsames Spiel mit relativ wenigen Neuerungen einstellen.

Leute die bisher noch nicht mit Splatoon in Berührung gekommen sind, erhalten somit meine uneingeschränkte Kaufempfehlung. Wer allerdings bereits den ersten Teil gespielt hat, muss für sich selbst entscheiden ob die bisherigen Neuerungen den Kaufpreis für 60€ wert sind oder ob er abwarten kann bis die Inhalte der zukünftigen Updates bekannt sind oder das Spiel im Angebot ist.


Anmerkung: Dieses Spiel wurde DubTap zum Testen kostenlos von Nintendo zur Verfügung gestellt. Die hier dargestellte Meinung ist allerdings die kompromisslose eigene Meinung des Autors.

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Kommentare (2)

bewertet 0 bis 5 mit 0 Stimmen
  1. 『』Blanc

Also Splatoon 1.5 wie ich das jetzt gelesen habe?

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  1. Alexander    『』Blanc

Kann man so sagen. An einigen Stellen fühlt es sich so an als wäre es ein waschechter Nachfolger, während beispielsweise der Standardkampf bis auf die offensichtliche grafische Verbesserung eine 1:1 Kopie des ersten Teiles ist. Das muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, aber es ist halt... schade.

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Ziemlich komisch. Noch keine Kommentare. Naja, vielleich zocken sie oder ziehen sich einen Film rein. Schreib doch du den ersten!

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